Romeo und Julia - 02.-05.04.2009

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Romeo und Julia - 02.-05.04.2009

Tragische Komödie von William Shakespeare
Regie: Willi Kühl

Inhalt

Du willst schon gehn? Es ist noch lang nicht Tag!
Es war die Nachtigall und nicht die Lerche,
was eben dein erschrecktes Ohr zerriss.
Dort im Granatbaum singt sie jede Nacht.

Diese Worte Julias an Romeo hat wohl jeder schon einmal gehört. Romeo, ein Montague, und Julia, eine Capulet, begegnen sich auf einem Fest der Capulets, das Romeo maskiert besucht. Sie verlieben sich sofort ineinander. Heimlich lassen sie sich von Pater Lorenzo trauen. Er verspricht sich davon eine Aussöhnung der beiden Familien. 

Doch dann kommt es zu einer Auseinandersetzung: Tybald, Julias Vetter, verwundet Romeos Freund Mercutio tödlich. Romeo, um seinen Freund zu rächen, ersticht Tybalt und wird dafür aus der Stadt verbannt. Bevor er flieht, verbringt er eine Nacht - die Hochzeitsnacht - mit Julia. Den Abschied der beiden Liebenden begleiten jedoch düstere Vorahnungen. 

Das ewig neue Drama zwischen Liebe und Hass, Vertrauen und Verrat, Freundschaft und Gewalt wird von Willi Kühl und seinem Ensemble in einem Ritt durch die gewaltige Sprache und einer modernen Sichtweise völlig neu interpretiert.

Romeo und Julia - Liebe. Hass. Mord. Konflikt. - Eine Einführung

Verehrtes Publikum, die Bezeichnung "Eine tragische Komödie" lässt Sie schon vermuten, dass ich andere Inszenierungswege einschlage als der klassische Text vorgibt. Mit dieser kleinen Einführung möchte ich Ihnen die Möglichkeit geben, meine Sichtweise auf dieses Stück besser zu verstehen. 

Während meiner vielen Spaziergänge reift, wie immer, eine Inszenierung mit allem, was dazugehört. Eines war mir jedoch von vornherein klar: Ich wollte es nicht klassisch! Um meine Vorstellungen umzusetzen, musste ich in die Dramaturgie des Stückes eingreifen. Das beginnt schon mit Text streichen und verändern, einfügen eigener Ideen, Musikuntermalung, Doppelbesetzung der Rollen. Die Frage, was will ich, und was kann ich meinem Publikum zumuten, war relativ schnell geklärt. Nämlich: Ich musste Kompromisse machen, und Sie müssen trotzdem noch einiges aushalten. 

Die drastische Sprache an einigen Stellen dieser Übersetzung mag für Sie gewöhnungsbedürftig erscheinen, spiegelt jedoch den Jargon und Übermut der heutigen Zeit wider und ist somit für mich ein wichtiger Bestandteil meiner Inszenierung.

Worum geht es in diesem Stück? Um die Liebe zweier Menschen. Das war nicht das Problem der Darstellung. Aber wie zeige ich eine Hochzeitsnacht, ohne einerseits oberflächlich zu bleiben und andererseits in Peinlichkeit zu versinken. Mit meiner Idee waren die beiden Protagonisten Gott sei Dank einverstanden. Das ist gerade am Amateurtheater sehr wichtig, denn nur so kann eine Szene glaubwürdig gespielt werden. 

Und es geht um Hass und Mord. Diese Begriffe sprechen für sich. Tagtäglich werden wir von den Medien mit Horrormeldungen bombardiert. Wir können uns nicht davor verschließen. Auf der Bühne ist eine Gewaltszene immer eine Gratwanderung. Wie weit darf man gehen? Nach langen Überlegungen fand ich eine Form, den Mord an Mercutius und Tybald für Sie einigermaßen erträglich umzusetzen.

Dann ist da noch der Vater-Tochter-Konflikt. Wenn Julia sich weigert, den Mann zu heiraten, den ihr Vater für sie bestimmt hat, verliert er die Beherrschung und lässt seiner Wut freien Lauf. Bei dieser beklemmenden Szene war ich nicht zu Kompromissen bereit.

Das Bühnenbild ist eine Metapher für die Hartherzigkeit und Unnachgiebigkeit zweier verfeindeter Familien. Selbst Julia muss buchstäblich mit dem Kopf durch die Wand, um ihre Liebe zu Romeo zu zeigen. Sie scheitert kläglich daran.

Den Tod als Person auftreten zu lassen, war ein dramaturgischer Einfall von mir und gilt auch hier als Metapher der Unentrinnbarkeit. Er eröffnet das Spiel mit einem Prolog, holt sich im Verlauf des Stückes totentanzartig seine Opfer und lässt den Schluss wie eine moderne Allegorie erscheinen.

Die Komödie kommt bei aller Tragik nicht zu kurz. Sie werden es sehen.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Theaterabend. - Willi Kühl

Mitwirkende

Escalus, Fürst von Verona - Gert Krüger
Mercutio, ein Freund Romeos - Peter Weyers
Paris, ein junger Graf - Eckart Northoff

Montague, Oberhaupt einer Veroneser Familie - Kurt Finger 
Lady Montague - Inge Finger
Romeo, Montagues Sohn - Lars Pietschmann
Benvolio, ein Freund Romeos - Hanno Galensa 
Abram, Diener im Hause Montague - Lars Pietschmann

Capulet, Oberhaupt einer Veroneser Familie - Jochen Schneider
Lady Capulet - Marina Walker
Julia, Capulets Tochter - Katrin Viebig 
Tybald, Neffe der Lady Capulet - Eckart Northoff
Amme, Dienerin im Hause Capulet - Bettina Lang
Peter, Diener im Hause Capulet - Gert Krüger
Simson, aus dem Hause Capulet - Kurt Finger 
Gregor, aus dem Hause Capulet - Peter Weyers 
Diener im Hause Capulet - Inge Finger

Bruder Lorenzo, ein Franziskaner - Jochen Schneider
Der Tod - Manfred Henske

Dramaturgie, Regie - Willi Kühl
Assistenz - Ulf Brekenfelder
Requisite - Monika Nissen
Soufflage - Elke Meyer, Jutta Kautz
Inspizienz - Uwe Kauz, Ulf Brekenfelder 
Hospitanz - Katharina Dostal 
Ton - Johannes Gondolatsch
Maske - Petra Göttsche
Kostüme - Monika Nissen, Erika Schlichting
Bühne - Willi Kühl
Bühnenbau - Heinz Stoltz, Wolf-Dieter Hein und das Thaliateam
Licht - Gerald Geib 

Aufführungsrechte: Hartmann & Stauffacher Verlag, Köln