So war der Biedermann

Eine Rezension von Sabine Körner

von Hanno Galensa (Kommentare: 0)

Biedermann und die Brandstifter 16. bis 19.Mai 2019 Theater an der Marschnerstraße

 

Toll, wir gehen mal wieder ins Theater. Max Frisch- Biedermann und die Brandstifter- steht auf dem Spielplan des Theaters an der Marschnerstraße. Thalia feiert das 140. Jubiläum, da passt so ein Klassiker super. Viele kennen ihn, wohlmöglich schon aus dem Deutschunterricht ihrer Schule, aber er ist auch ein oft inszeniertes Theaterstück, auch als Hörspiel oder Film ist er uns häufiger begegnet. Optisch erinnern wir den gemütlichen Sessel, die Stehlampe und die Zeitung. Natürlich auch die Benzinfässer. Die fehlten in dieser frischen, modernen Inszenierung ganz. Sie wurden ersetzt durch eine beträchtliche Anzahl Kanister, die sehr wirkungsvoll lichttechnisch in Szene gesetzt wurden und Teil der Bühne wurden, abgesehen davon, dass sie auch mitspielten und die beiden Brandstifter einige Zeit wirkungsvoll beschäftigten. Die Bühne war schlicht, Treppe, Dachboden, Wohnzimmer, Esstisch und natürlich der berühmte Sessel und die nostalgische Stehlampe. Alles sehr stimmig gestaltet und es zeigt sich mal wieder, dass weniger oft mehr ist. Die Verwendung von Videos mit aktuellem Bezug, Musik (Wir hätten gerne die Texte im Programmheft gefunden) und Lichteffekten machten die Vorstellung zum Hingucker, so soll es ja auch sein. Die zahlreichen jungen Besucher im Publikum fanden es bestimmt cool, und nicht nur junge!

Darstellerisch gab es sehr gute Leistungen bei allen Charakteren und Darstellern, die hier nicht alle einzeln erwähnt werden können. Wenn man aber weiß, welche Mühe es macht und wie viel Arbeit darin steckt, ein Stück auf die Bühne zu bringen- Hut ab vor der Team- Leistung!

Erhard Lenuk war der Biedermann auf den Leib geschneidert, aber auch Schmitz und Eisenring (Kambis Nassiri und Dirk Timmermann) gaben ein überzeugendes, unverschämt freches Brandstifterduo ab. Die Beiden glänzten mit parodistischen Einlagen, ich denke da besonders an die Haarwasser ‚Hormoflor‘ Darbietung auf dem Dachboden, sehr gut, obwohl einem das Lachen wie auch an vielen anderen Stellen im Hals stecken blieb.

Babette (Birgit Alsdorf) tat einem richtig leid. Typische Ehefrau, dazu noch herzkrank, voller Ahnungen und Ängsten, sie hätte so gern gehandelt und ihren Mann mit ihren Bedenken erreicht Auch sie scheiterte an ihrer Unfähigkeit, die drohende Katastrophe abzuwenden und sie flüchtete sich in eine gewisse Erstarrung, sehr glaubhaft gespielt.

Der ursprünglich von Frisch gedachte antike Chor der Feuerwehrleute wurde zu einer Journalistenmeute umfunktioniert. Die war natürlich genauso machtlos, alle Warnungen blieben ungehört, auch das lang nachklingende Wehe, Wehe, nützte nichts. Man könnte es als Anklang an unsere moderne Zeit sehen, mit der verwirrenden Informationsflut. Fake News und keiner weiß, was wirklich die Wahrheit ist?

Die beste Tarnung ist die Wahrheit, weil sie keiner glaubt!

Und da kommt er schon, der Spiegel, den wir alle vorgehalten bekommen haben, obwohl es ein Lehrstück ohne Lehre ist, wie Frisch selbst sagte.

Solange wir uns in unseren rosa Puschen (Super Regieeinfall!) am wohlsten fühlen , das Wehe, Wehe nur hören und nichts damit anfangen und dann die bange Frage wie Biedermann im Raum stehen lassen: Aber was hätte ich denn tun sollen?? Und wann??

Wenn es Theater schafft, einen ganzen Abend lang sehr gute Unterhaltung zu liefern und trotzdem das Publikum mit einer “Denkpille“ nach Hause zu schicken, was will man mehr!

 

 

Sabine Körner 24.06.2019

 

 

Zurück

Einen Kommentar schreiben