Im Honeymoon?

Eine Rezension von Sabine Körner

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Honigmond im Theater an der Marschnerstraße 23. bis 26.01.2020

Mein erster Gedanke war: Oh je,die armen Männer, bestimmt kommen sie ganz schlecht weg! Aber wie immer, anschauen und gucken, was daraus wird und eventuelle Vorbehalte hintenanstellen.


Und siehe da, Gérard, Toni, Stefan und ein Unbekannter sind das ganze Stück über nur per Ton und Video dabei, mitsamt ihren Sprüchen und Besonderheiten.Da konnte nicht viel passieren.


Das Theater voll, mit vielen auch jungen Leuten, Männlein und Weiblein bunt gemischt.Beste Stimmung, ein knutschendes Pärchen, das war schon mal ein guter Einstieg

Wir sahen auf der Bühne ein angedeutetes Loft, schön das Fenster, draußen schneite es im Verlauf des Stückes in ECHT! Cooles weißes Sofa und ein ganz moderner Kühlschrank.

Und dann kam sie- die geballte Frauenpower. Linda (Angie Hartmann), immer im Angriffsmodus auf einen neuen Mann. Die Auswahl per Dating Portal ist ja groß genug, wie man per Bildwiedergabe an der Wand mitbekommt (leider nicht von jedem Platz aus zu sehen) und wieso soll man etwas anbrennen lassen? Bestimmt hilft ein freches sexy Styling. Aber man merkt auch, dass der Wunsch, es möge endlich der Richtige dabei sein und die große Liebe am Horizont erscheinen, nicht ganz klein ist. Witzig das Spiel mit dem Weihnachtsmützenzipfel plus Bommel, da hätte man noch mehr draus machen können!! Das dicke Ei im Weihnachtspäckchen war doch auch schon ganz pfiffig.


Clara, mit der Linda die Wohnung teilt, ist Psychiaterin und beobachtet mit einer gewissen Portion Neid auf Lindas Unbekümmertheit von der "Fachperspektive " aus das Geschehen. Sie führt ihre tolle freundschaftliche Scheidung an und kann dabei trotzdem nicht darüber hinwegtäuschen, wie groß ihre Sehnsucht nach ihrem Mann ist, denn lange Nächte allein im großen Bett sind es ja auch nicht! Schön differenziert gespielt von Esther Lewerenz.

Die Handlung schreitet flott voran mit Tannenbaumschmücken, verbalen Turbulenzen und einer beträchtlichen Menge Schampus, dann erscheint Emily (Anja Bokeloh), von der alle glaubten, sie sei die Glücklichste mit einer liebevollen harmonischen, schon lange dauernden Ehe. Leider Fehlanzeige, denn sie hat entdeckt, dass ihr Mann sie betrügt und sie so lange brav und angepasst gehalten hat. Da springt natürlich jetzt der Deckel vom Topf  und die Verzweiflung schlägt hohe Wellen. Sehr authentisch gespielt! Wie gut, dass es Freundinnen gibt, die mitfühlen.

Es gab auch besinnliche, berührende Momente - Erinnerungen an die Kindheit mit der offenen Frage, was denn nun im Leben wirklich trägt. Und wenn es nur ein Teller selbst gebackener Plätzchen ist!  

Die drei kuscheln sich wie früher bei den Übernachtungspartys am Ende in ihr Nachtlager (gab es nicht genügend Bettzeug?) , da kann dann aller Kummer in schönen Träumen verfliegen.

Am Ende nimmt das Geschehen eine unverhoffte Wendung und man weiß: Ja, ja, das liebe Leben sorgt schon dafür, dass man auf den Boden der gar nicht soo schlimmen Realität zurückkehrt!


Alle drei Mädels haben ihre Rollen sensationell umgesetzt, es war eine Freude, ihnen zuzuschauen. Alle drei so hübsch und lebendig, die Tanz- und Gesangseinlage war toll (gerne mehr davon) und besonders schön, dass am Ende das GESAMTE TEAM! im Rhythmus bei stimmigem Licht mitgroovte. 

Wenn man weiß, das man nicht einfach auf einen Knopf drücken kann, sondern alles jedesmal passend und punktgenau hinbekommen muss, inclusive des Tons, bei dem keine Alexa mithilft, kann man die Leistung der Technik nicht hoch genug schätzen. Eben sowenig wie die der Regie, die trotz Kleinkind und dem Alltag mit dem ganz normalen Wahnsinn von Familienaufgaben alle so super gerockt hat.

Tja, Frauenpower eben!

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